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Anlagestrategien von Pensionskassen

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Schweizer Pensionskassen verwalten rund 900 Milliarden Schweizerfranken an Vorsorgegeldern. Dabei verfolgen sie zwei Hauptziele. Einerseits soll ein langfristiger Wertzuwachs generiert werden. Andererseits müssen die Renten- und Kapitalauszahlungsansprüche der Versicherten bedient werden. Um diese Ziele zu erreichen, verfolgen die Pensionskassen eine clevere Anlagestrategie. Dieser Artikel erläutert, wie diese Anlagestrategie aufgesetzt wird und welche Instrumente dabei eingesetzt werden.

Anlagestrategie

Im Rahmen der Anlagestrategie bestimmt die Pensionskasse, wie sie das Vermögen ihrer Versicherten auf ein Portfolio aus unterschiedlichen Anlagekategorien aufteilt. Die Kunst dabei liegt darin, Gewinne zu maximieren und Verlustrisiken durch eine möglichst breite Diversifikation zu minimieren. Die langfristig beabsichtigte Portfoliozusammensetzung wird strategische Asset Allocation genannt. Für die dynamische, kurz- bis mittelfristige Umsetzung der Anlagestrategie dient die taktische Asset Allocation. Aufgrund von Marktgegebenheiten wird die Portfoliozusammensetzung taktisch angepasst. Diese Kombination aus langfristiger Strategie und taktischer Anpassung ermöglicht der Pensionskasse einen langfristigen Anlageerfolg.

Strategische Asset Allocation

Die strategische Asset Allocation bildet das Grundgerüst und dient zur langfristigen Ausrichtung des Portfolios. Massgebend für die Aufteilung der Anlagekategorien sind die Anlageziele der Pensionskasse sowie gesetzliche Vorgaben und Beschränkungen. So wird eine Aufteilung für einzelne Märkte, Sektoren, Anlageinstrumente und Währungen definiert. Diese zählen als Normalpositionen und entsprechen über einen längeren Zeitraum den tatsächlichen Positionen im Portfolio. Um den Erfolg dieser Anlagestrategie messen zu können, wir basierend auf dieser Grundstrategie ein Referenzindex (Benchmark) festgelegt. Der Erfolg der Anlagestrategie bemisst sich anhand der Abweichung der Entwicklung der Anlagen von diesem Referenzindex.

Taktische Asset Allocation

Die taktische Asset Allocation wird zur dynamischen Anpassung des Portfolios eingesetzt und widerspiegelt die Einschätzung der aktuellen Marktlage. Durch ihren Einsatz besteht die Möglichkeit innerhalb der definierten Bandbreiten von der strategischen Asset Allocation abzuweichen. Diese aktive Bewirtschaftung ermöglicht der Pensionskasse, Verluste zu minimieren und höhere Renditen als der Referenzindex zu erzielen.

Anlageprozess und -entscheidung

Der Anlageprozess wird von der Anlagekommission der jeweiligen Pensionskasse ausgearbeitet und betreut. Die Kommission setzt sich aus internen und externen Experten zusammen. Sie formiert sich als Fachgruppe für Vermögensanlagen. Alle Mitglieder verfügen typischerweise über einen professionellen Hintergrund in Bezug auf die Finanzmärkte. Sie sind oft als Vermögensberater, Bankfachleute, Ökonomen, Analysten oder Ähnliches tätig. Dabei verfolgen Sie uneingeschränkt die Interessen der Versicherten und sind für die Umsetzung einer nachhaltigen Strategie verantwortlich.

Als oberstes Entscheidungsorgan bestimmt immer der Verwaltungsrat der Pensionskasse über die Umsetzung der ausgearbeiteten Strategie. Anlageentscheide werden immer basierend auf verfügbaren Informationen aus verschiedenen Quellen getroffen. Als institutionelle Investoren sind Pensionskassen stark umworbene Kunden und geniessen darum den Zugang zu Banken, Analysten und externen Beratungsfirmen. Aufgrund der hohen Anlagevolumen profitieren sie zudem oft von kostengünstigen Investitionsmöglichkeiten. Der mehrstufige Entscheidungsprozess unterbindet jegliche Art von Interessenskonflikten.

Kontrolle

Als Kontrollorgan sorgt der Experte für die berufliche Vorsorge für zusätzliche Stabilität. Zu seinem Aufgabengebiet gehört die Prüfung, ob die Pensionskasse sämtlichen Verpflichtungen gegenüber ihren Versicherten nachkommen kann. Zudem ist er für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben verantwortlich. Jeder Experte muss beim Bundesamt für Sozialversicherungen registriert sein und unterliegt strengen Kontrollen. Durch diese Konstellation ist der Anlageprozess einer Pensionskasse auf mehrere Standbeine verteilt. Durch die mehrstufige Bewilligungspolitik werden Interessenskonflikte unterbunden und die Interessen der Versicherten gewahrt.

Langfristigkeit

Aufgrund der Altersverteilung der Versicherten verfolgt die Pensionskasse einen langfristigen Anlagehorizont. Zwischen der ersten Einzahlung bis zum Ende des Verhältnisses mit dem Versicherten vergeht oftmals ein halbes Jahrhundert. Trotz sinkender Renditen und einer steigenden Lebenserwartung muss sie jede Rente ein Leben lang garantieren. Darum richten Pensionskassen ihre Anlagestrategien auf ein langfristiges Kapitalwachstum aus. Experimente sind dabei fehl am Platz und es werden solide und bekannte Investitionsmöglichkeiten gewählt. Diese Vorgehensweise bestätigen auch zahlreiche Forschungsergebnisse aus der Verhaltensökonomie. Diese besagt, dass das Festhalten an einer Strategie über einen längeren Zeitraum erfolgreicher ist als eine ständige Anpassung.

Rekapituliert bedeutet das, dass Pensionskassen Ihre Anlagestrategie durch die strategische Asset Allocation mit einem langfristigen Fundament untermauern. Mit der taktischen Asset Allocation wird versucht, einen Mehrwert gegenüber dem Referenzindex zu erzielen. Durch einen vielschichtigen Ausarbeitungs- und Entscheidungsprozess werden Interessenskonflikte vermieden und Interessen der Versicherten gestärkt. Abschliessend sorgt der Experte für die berufliche Vorsorge für die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen. Investieren wie Pensionskassen eignet sich also durchaus auch für private Anleger. Sie profitieren von soliden Anlagestrategien und geniessen eine hohe Transparenz dank der Kontrollorgane.

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